"Opfer" geborgen, Lok gelupft
THW bei Hauptübung auf der Schwarzwaldbahn

 | Die Köf-Unterlagen, bitte! Die Kleinlok der Bauart Köf des WSB-Vereins bekannt etwas untergeschoben, nämlich ein pneumatisches Hebekissen. |
Bäume aufs Gleis gestürzt, Eisenbahnfahrzeuge entgleist,
Mitarbeiter der Eisenbahn verletzt und schockierte Reisende
im Tunnel umherirrend:
So etwa lautete die Ausgangslage für die Katastrophenschutzübung
des Technischen Hilfswerkes (THW), die am Samstag, 25. September 2010,
stattfand.
Unter den rund 150 Helferinnen und Helfern waren neben der Bergungsgruppe
aus dem Ortsverband Calw Zugtrupps und Bergungsgruppen des THW aus Böblingen,
Leonberg, Ludwigsburg, Bietigheim-Bissingen, Stuttgart, Schorndorf
und Backnang beteiligt.
An wenigstens drei verschiedenen Stellen im Ortsbereich Calw waren die
blaubedressten Männer und natürlich auch Frauen des THW im Einsatz.
Eine Bergungsgruppe drang in den Hirsauer Tunnel der Schwarzwaldbahn ein,
um sich mit den Gegebenheiten in solch einem dunklen Gewölbe vertraut zu machen.
Auch die Beleuchtungsausrüstung eines der Gerätekraftwagen konnte dort
sinnvoll eingesetzt werden.
Weitere Kräfte mühten sich im Bereich der Bahnhofseinfahrt Calw Süd
aus Richtung Stuttgart, um dort auf dem Gleis liegende Bäume so zu beseitigen,
dass die Bergung und Durchfahrt eines Zuges wieder möglich wäre.
Einige stattliche Bäume an der Böschung waren am Vorabend
von Mitarbeitern des WSB-Vereins vereinbarungsgemäß umgesägt worden.
Eine weitere Gruppe musste mit Krankentrage und technischem Gerät
den matschigen und steilen Fußpfad von der Uhlandshöhe
zur alten Lokstation Calw hinuntertapsen,
denn dort warteten bereits die "schockierten Opfer"
eines angenommenen Zugunglücks:
Zwei Mitwirkende des WSB-Vereins fröstelten
im vereinseigenen Schwerkleinwagen der "Tröstung"
und Abholung durch den Hilfstrupp entgegen,
während gewichtsechte Puppen zwei Kinder simulierten sollten,
die unter einem Güterwagen und in einem Schacht steckten.
Zur Bergung sollte die Wagengruppe abgehängt
und mit einem Greifzug so weit fortbewegt werden,
dass an den "Verletzten" im Gleis ungehindert heranzukommen war.
WSB-Mitarbeiter Helmut Schuck assistierte die Arbeiten,
damit die Helfer an den richtigen Stellen der Fahrzeuge zupackten.

 | Jetzt geht sie in die Luft, zumindest mit einer Achse, dafür sorgt der Mann mit der Pressluft. |
Schließlich stand das Eingleisen eines Fahrzeugs auf dem Programm,
was jedoch auf das Anheben und wieder Ablassen beschränkt wurde.
Versuchsobjekt bildete in diesem Fall die vereinseigene Rangierlok Köf.
Untergelegte Kanthölzer und Dielen dienten als Unterlage für Hydraulikkissen,
die der Lok von zarter Frauenhand unter den Rahmen geschoben wurden
und sie alsbald vorne etwas in die Höhe hievten.
Glücklich kam die Lok so auch wieder aufs Gleis.
Den höchst realistischen Rahmen für die Übung gab ständiger Nieselregen,
auf dessen "Simulation" die Anwesenden mit der Zeit gerne verzichtet hätten.

 | Anschließend wird die Lok mit Kanthölzern sauber abgestützt, hier von kräftiger Frauenhand. |
Zustande gekommen war die Übung durch die Initiative des WSB-Vereins
und Oskar Schehrer und Marc Stahl vom THW Calw.
Bereits 2008 hatte eine ähnliche Übung an der Bahnhofseinfahrt stattgefunden.
Auch diesmal nahm mit Rudolf Meintel von DB Netz aus Freudenstadt
ein leitender Vertreter der DB AG teil, der sich über die Übung
hoch zufrieden zeigte, denn ähnliche Vorfälle sind auf der topografisch
sehr anspruchsvollen Nagoldbahn denkbar.
Das gilt auch für den Betrieb der hoffentlich bald wieder fahrenden Schwarzwaldbahn.
Die Leiter des Katastrophenschutzes beim Kreis Calw
und der Feuerwehr Calw waren ebenfalls zugegen.
Auch Landrat Helmut Riegger verschaffte sich aus diesem Anlass
erstmals Eindrücke vom Hirsauer Tunnel und den Bahnanlagen in Calw Süd.
WSB-Vorsitzender Hans-Ulrich Bay war schon deshalb über die erneuten Kontakte,
die sich an diesem Tag ergaben und vertieft werden konnten, sehr erfreut.