18. Gäbe es weitere Gründe für die Bahnlösung?
Was immer der Kreis Calw mit der Schwarzwaldbahn vorhat: Wenn er sie sanieren will,
muss er dazu in Calw Süd den Anschluss an die Nagoldbahn wieder herstellen. Denn bis in
Weil der Stadt die fehlende Planfeststellung für die fehlende Bahnbrücke anläuft, kann die
bereits planfestgestellte, baureife Brücke in Calw-Heumaden erbaut werden und die
Sanierung der Strecke ab Calw Richtung Weil der Stadt beginnen. Außerdem bieten die
Gleisanlagen in Calw Süd Stauraum für Bauzüge und Baumaterial, in Weil der Stadt
werden sie ständig für die S-Bahn benötigt. Die DB AG hat Einwände gegen eine Zufuhr
von Materialzügen über Weil der Stadt geäußert.
Eben dieser Anschluss in Calw Süd würde für die Deponiezüge benötigt und eingerichtet.
Er wäre also auch später für den Ausbau als S-Bahn-Strecke nützlich. So lange keine
planmäßigen Züge darüber fahren werden, und das ist bei einer S-Bahn und anderen
Nahverkehrsvorhaben auch auf längere Sicht nicht zu erwarten, da diese in Calw enden
werden, bekommt der Kreis allerdings für die Gleisverbindung keine Zuschüsse.
Wenn der Deponieverkehr aufgenommen wird, erhält der Betreiber den 50-%-Zuschuss des
Bundes auch für diese Gleisverbindung. Später kann sie der Kreis übernehmen. Da sie dann
teilabgeschrieben ist, bekommt er sie billiger.
Die DB AG wird in absehbarer Zeit ihre Nagoldtalbahn an ihr elektronisches Stellwerk in
Freudenstadt anschließen. Die Vorarbeiten laufen. Was jetzt an Anlagen vorhanden ist,
wird an den Computer im Stellwerk angeschlossen. Wäre die Gleisverbindung Calw Süd
vorhanden, würde sie kostengünstig en bloc mit den anderen Anlagen im Nagoldtal mit
berücksichtigt. Kommt man später, wird der Aufwand – praktisch für Steuerkabel von Calw
nach Freudenstadt, technisch für die Nachprogrammierung des Rechners – wesentlich
teurer, zumal dann nicht nur die Kosten der DB AG, sondern der Gewinnanteil von
Privatfirmen (Computertechnik) mitbezahlt werden müssen.

 | Weiche 26 in Calw Süd, die einzige verbliebene Gleisverbindung vom Nagoldtal zur Schwarzwaldbahn, sollte so oder so baldmöglichst offiziell aktiviert werden, weil sie die erste nötige Baustufe Richtung Sbahn darstellen würde. Denn ansonsten wird sie im Sommer 2010 ganz entfernt. Jede spätere Wiedereinrichtung mit neuem Kabel nach Freudenstadt (60 km) und neuem Computeranschluss kostet sehr viel mehr. |
Sogar ganz unabhängig vom Deponieverkehr wäre es deshalb sinnvoll, diese
Gleisverbindung jetzt bei der DB AG zu bestellen, was vom Verein WSB dem Kreis
gegenüber schon vor Jahren wiederholt angeregt wurde. Weil die DB AG aktuell ihre
Planungen für das Stellwerk abzuschließen im Begriff ist, wäre eine Bestellung inzwischen
äußerst dringlich, ohne auf den Ausgang des Verfahrens Deponieverkehr und einen
möglichen Auftragnehmer zu warten. Deshalb müsste der Kreis diese Verbindung jetzt
selbst bestellen.
Damit wären auch enorme Synergiefunktionen für einen späteren
Bahnknoten Calw zu Gunsten der Bahnstrecken im Kreisgebiet Calw gewahrt.
Noch etwas könnte der Kreis bei der DB AG "einkaufen": Bei der abschließenden
Sanierung der Nagoldtalstrecke im Sommer 2010 werden ca. 4 laufende km altbrauchbarer
Stahlschwellen frei. Diese könnten hervorragend verwendet werden, um die unbrauchbaren
Holzschwellen Calw Süd – Fuchsklinge zu ersetzen, und würden noch problemlos lange
halten. Dies kommt ganz wesentlich billiger als der Einkauf altbrauchbarer Betonschwellen
von anderswo, zumal sogar die Transportkosten entfielen. Stahlschwellen sind ansonsten
kaum zu haben, da die Schrotthändler darauf warten. Preisgünstiger kommt der Kreis nicht
mehr an einen Einstieg in irgendeine Art der Herrichtung der Schwarzwaldbahn! Nur
müsste der Kreis an diesen Schwellen ganz umgehend sein Interesse anmelden.
Selbst falls die Schwellen dann für den Deponieverkehr nicht verwendet würden, ließen
sich damit sämtliche Bahnhofsgleise von Calw für den Fall der Reaktivierung als S-Bahn
kostengünstig sanieren, denn für geringes Tempo und Abstellzwecke halten diese
Schwellen noch Jahrzehnte, dafür braucht es kein substanziell und preislich wesentlich
aufwändigeres Neubaumaterial.
Sobald die Schwarzwaldbahn bis zur Deponie befahrbar wäre, könnten dort auch
Sonderzüge für Personenverkehr fahren. Das Stadtpanorama von Calw wäre erschlossen,
der vorläufige Endpunkt am Restaurant Fuchsklinge wäre originell und würde einen
Anschluss für Besucher auch ohne Auto herstellen. In Horb steht ab 2011 beim bis dann
dort eröffneten Eisenbahnmuseum ein historischer Triebwagen betriebsfähig zur
Verfügung, wie er einst auf der Schwarzwaldbahn verkehrte. Das Land könnte über seine
Nahverkehrsgesellschaft diese Verkehrsleistungen als Kontingent kostengünstig einkaufen.
Calw hätte eine neue Attraktion, die es besonders zur Landesgartenschau 2012 in Nagold
ergänzend vermarkten könnte, um nicht abseits zu bleiben.

 | Fahrtziel und Haltestelle Fuchsklinge, Restaurant mit eigener Haltestelle: Das gäbe es sonst wohl nirgends, das wäre noch eine weitere Attraktion für Calw. Von Calw würden promillebewusste Touristen zur Fuchsklinge fahren und Autotouristen von dort mit dem Ausflugszug nach Calw. Auch dafür wirbt der Verein WSB seit 22 Jahren. Foto (1970): Wolf Schneider/DGEG |
Dass die erste Fahrt eines Deponiezuges und eines öffentlichen Sonderzuges gleichzeitig
auch einen gewaltigen symbolischen, öffentlichkeitswirksamen Schritt in Richtung
Schienennahverkehr/S-Bahn bedeuten würde, liegt auf der Hand.
Sind Verkehrsprobleme zu erwarten?
zurück zur Übersicht