22. Gibt es Wege aus dem Dilemma?
Das Haupthindernis ist der Widerwille der DB AG, für den Bahntransport aufgeschlossen
zu sein. Beim Tunnelbau für Stuttgart 21 fällt unbelasteter Aushub in vollauf genügender
Menge an. Die DB AG ist so oder so verpflichtet, diesen Aushub dort auf die Schiene zu
verladen. Ein wesentlicher Teil der Fix- und Vorlaufkosten ist somit bereits unabhängig
von dem Fall Hirsau aufgebracht. Auch muss der weitere Bahntransport bereits in der
Preiskalkulation für S 21 enthalten sein, sonst wäre dieser wichtige Punkt bisher
unbeachtet.
Bisher geht man von einem Transport zu ehemaligen Braunkohlegruben in
Sachsen-Anhalt aus. In Hirsau ist jedoch das wesentlich höherwertige Rechtsgut zu
berücksichtigen, dass die Allgemeinheit vor den Folgen einer etwa abrutschenden Deponie
geschützt werden muss. Die Kosten für einen Transport nach Hirsau sind auf jeden Fall
wesentlich geringer als nach Mitteldeutschland. Somit könnte die DB AG bei S 21 Kosten
sparen.
Die DB AG betont – und Stimmen aus der Tiefbaubranche bestätigen es aktuell – dass die
Auftragnehmer für den Abtransport des Aushubs bei S 21 frei entscheiden können, auf
welche Deponie sie den Aushub bringen. Anders lautende Pressemeldungen, das Volumen
sei bereits verteilt, treffen demzufolge nicht zu.
Die DB AG betont weiter, Preisangaben
zum Abtransport könne sie nicht machen, da die Kalkulation einzig Sache der Bewerber
aufgrund Ausschreibung sei. Tendenziell ist der Bahntransport in solchen Fällen erst ab
größeren Entfernungen preislich konkurrenzfähig, als dies im Fall zwischen Stuttgart und
Hirsau ist. Aber hier herrscht eine besondere Lage:
Also: Die DB und die Stadt Calw haben ein Deponieproblem. Es hängt am Bahntransport.
Der Lkw-Transport aus der Umgebung belastet die Kommunen zu stark. Der Lkw-
Transport aus Stuttgart ist rechtlich nicht möglich. Der Lkw-Transport aus der Region
Stuttgart oder ab der Autobahn belastet die Kommunen im Einzugsbereich bis Calw. Das
DB-Sanierungsmanagement scheut hohe Transportkosten, was verständlich ist.
Beim Projekt Stuttgart 21 fällt auf jeden Fall ausreichend Aushub auf der Schiene an. Wenn
dieser auf der Schiene nach Hirsau rollt, verdient z.B. die DB AG etliches an
Nutzungsentgelten für ihre Bahnstrecken bis Calw (90 Bahnkilometer). Dies hat das DBSanierungsmanagement
nicht eingerechnet, da es sich um eine "andere Firma in der Firma"
handelt.
Niemand verpflichtet aber die DB AG in jedem Fall, alle Gewerke auszuschreiben. Wenn
etwa der Abtransport eines Teils des Aushubs aus innerbetrieblichen Gründen des DB-Konzerns
- die liegen hier vor - vorab aus der Gesamtmasse entnommen werden und per Schiene nach Hirsau gebracht werden muss,
dann lässt sich für etwaige Auftragnehmer bei der kurzen Entfernung bis Hirsau und den relativ hohen Kosten nicht genügend
oder gar nichts verdienen. Wenn aber von vorne herein klar ist, dass sich kein Interessent finden lassen wird,
dann muss die DB dies nicht ausschreiben, sondern kann den Transport dieser Menge nach Hirsau gezielt vergeben
und den Transportweg vorschreiben. Damit wären alle Bedenken in Sachen Ausschreibung gegenstandslos.
Im übrigen wird in der Schweiz in solchen Fällen der Bahntransport von der öffentlichen Verwaltung verfügt, da das öffentliche
Interesse höherwertig ist. Warum kann das die deutsche Verwaltung nicht?
Der entscheidende Vorteil: Wenn dies durch die Projektleitung von Stuttgart 21 erfolgt, die
eben heute schon ein Mindestmaß an Transportkosten für Bahntransporte einkalkuliert
haben muss, dann spielen diese Transportkosten für das DB-Sanierungsmanagement in
Karlsruhe keine Rolle mehr. Auf jeden Fall ist der Transport nach Hirsau billiger als über
Entfernungen von 300 und mehr km, mit denen bisher in Sachen Stuttgart 21 von der
Größenordnung her kalkuliert wird.
Wenn der Bahntransport schon nach Hirsau so teuer sein soll, wie DB-San angibt, dann
muss das Projekt S 21 gewaltig Geld sparen, wenn ein Teil der Züge nicht den weiten Weg
nach Mitteldeutschland antritt, sondern innerhalb eines Tages wieder zur Beladung in
Stuttgart bereitsteht, denn das spart auch teures Fahrzeugmaterial, gleich ob von der DB
AG oder privaten Bahnlogistikfirmen.
Es ist sowieso fraglich, weshalb DB-San die Transportkosten als fixe Summe darstellt, wo
es doch Sache der Bewerber ist, den Transport zu kalkulieren. Warum hält die DB-San ihre
eigenen Preisangaben hoch wie eine Monstranz? Wie würde sie reagieren, wenn sie ein
privates Angebot vorliegen hätte und Stuttgart 21 auf dieser buchstäblich nahe liegenden
Lösung bestünde?
... und ein neues Problem zur Lösung
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