21. Wie verhalten sich die Beteiligten?
Das Problem der Deponie ist seit vielen Jahren bekannt. Die DB AG weigert sich seit
Jahren, einer Bahnlösung näherzutreten. Sie musste seinerzeit erst durch einen inzwischen
nicht mehr dort tätigen Mitarbeiter der Stadt Calw erfahren, dass die alte Bahndeponie an
einer Bahnstrecke liegt (!) und demzufolge auch Züge fahren könnten. Nach Einschätzung
von Beobachtern hat die DB AG bisher ausschließlich Argumente zu Gunsten des Lkw
angeführt.
Gegen die Bahnlösung trug die DB AG zwei Hauptgründe vor: Der Bahntransport über das
Nagoldtal oder über Weil der Stadt sei nicht möglich, und es gebe nicht genügend Erdreich,
das wirtschaftlich zunächst ab Baustelle auf die Bahn umgeschlagen werden könne.
Die erste Behauptung konnte vom Verein WSB widerlegt werden, mit Unterstützung aus
der Bahnbranche. Selbstverständlich ist die Anfuhr über das Nagoldtal möglich, zu den
genannten Zeiten außerhalb des dichten Taktverkehrs. Und Erdreich, das in Massen
rechtlich vorgeschrieben auf die Bahn umgeschlagen werden muss, steht in nächster Nähe –
beim Projekt Stuttgart 21 – zur Verfügung. Auch dies schien dem DBSanierungsmanagement
nicht bekannt zu sein.
Bei dieser Sachlage sind Gedanken erlaubt, wie realistisch weitere Angaben der DB-San –
etwa zu den Transportkosten oder den Kosten für die Straßeninfra – sind. Dazu sollten eben
auch einmal von anderer Seite Angaben gemacht werden. Das DB-Sanierungsmanagement
hat auf Anfrage des Vereins WSB und eine Einladung zu einem Vor-Ort-Gespräch erklärt:
"Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass in der jetzigen Abstimmungs- und
Planungsphase ein solcher Termin verfrüht wäre. Wir nehmen Ihre Hinweise und
Anregungen aber gerne in unsere weiteren Überlegungen auf." (Auskunft vom 25.03.2010).
Was aber sollen grundsätzliche Gespräche über den Bahntransport erst dann, wenn die
Phase der Abstimmung und Planung vorüber ist?
Beim Kreis Calw meint man, den Lkw-Verkehr durch privatrechtliche Vereinbarungen auf
geordneten Wegen halten zu können. Was die Nutzung der Bahnstrecke angeht, betont der
Kreis, dies könne in einer Ausschreibung über die Sanierung der Deponie nicht
vorgeschrieben werden.
Wenn dem so ist, dann müssten aber die Interessenten bereits bei der Ausschreibung darauf
aufmerksam gemacht werden, dass für den Lkw-Verkehr nur bestimmte Straßen benutzt
werden dürfen (was eine erhebliche Einschränkung der unternehmerischen Möglichkeiten
darstellt und für die Transportkalkulation von ganz entscheidender Bedeutung ist) und dass
der Auftragnehmer die Infrazuständigkeit für die Straße für bestimmte Zeit zu übernehmen
hat.
Wenn dies alles so geregelt werden kann, dann lässt sich von vorneherein auch zum
Maßstab machten, dass zur Verhinderung volkswirtschaftlicher Schäden der Bahntransport
nahegelegt wird und dass der Gewinner der Ausschreibung anschließend einen
Privatvertrag darüber unterzeichnen muss, so wie es der Kreis ja auch in Sachen
Straßenbenutzung genauso vorsieht.
Wenn das Hinwirken in Richtung Bahntransport nicht möglich ist – wie der Kreis darlegt -,
dann sollte ausgesprochen werden, dass demzufolge auch in Sachen Lkw-Verkehr keine
wirksame Beschränkung auferlegt werden kann.
Der Gemeinderat von Calw und die Verwaltung haben bei der Präsentation des Themas
durch die DB AG die Behauptungen hingenommen, der Bahntransport sei nicht möglich
und es mangle an Erdreich im Bahneinzugsgebiet, ohne dies zu hinterfragen. Das selbe gilt
für die Konsequenzen, die der Lkw-Transport hätte.
Der Gemeinderat von Stuttgart hat seinerzeit beschlossen, dass der Erdaushub, der im
Talkessel wegen des Projektes Stuttgart 21 anfällt, auf der Schiene die Stadt verlassen
muss. Niemand hindert die direkt betroffenen Kommunalgremien von Calw und
Althengstett, grundsätzlich ebenso zu verfahren.
Der Bürgermeister von Althengstett hat im Rahmen der Behandlung des Themas durch
seinen Gemeinderat das Gesamtthema öffentlich gemacht und seine Amtskollegen sowie
die Landtagsabgeordneten auf die Problematik aufmerksam gemacht.
Der Verein WSB hat den Calwer Bundestagsabgeordneten und die Stuttgarter
Umweltministerin auf den Fall hingewiesen und die Lösungsmöglichkeit aufgezeigt (siehe
Punkt 22).
Gibt es Wege aus dem Dilemma?
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