Plan zur Sanierung der Deponie

 

 

 

19. Sind Verkehrsprobleme zu erwarten?

 

Die Bahnlösung ist vom Zugumlauf her möglich. Calw wird erreicht und kann die Wagen aufnehmen. Tagsüber werden Güterzüge zur Deponie fahren. Moderne Loks und Güterwagen sind heutigen technischen Anforderungen entsprechend schallgedämmt bzw. leise. Es gelten mindestens die Anforderungen wie für Straßenfahrzeuge.

Ein Lkw ist nicht geräuschlos. Ein leerer Sattelzug kann besonders bei schlechtem Straßenzustand als lauter empfunden werden als ein voller. 100 oder 200 Lkw-Fahrten pro Tag erzeugen mehr Lärm als 1 oder 2 Güterzüge. Die Bahn verläuft überwiegend abseits der Bebauung. Die Lkw müssen trotz mancher Ortsumgehungen viele Ortsdurchfahrten benutzen. Kommen sie von der Autobahn, sei es aus Stuttgart, Böblingen, Pforzheim oder Horb, dann fahren sie durch alle anliegenden Ortschaften, sei es Ostelsheim, die Gäugemeinden oder das Nagoldtal. Das betrifft auch die Kurorte Hirsau und Bad Liebenzell.

Ortseingang Hirsau, Kurort

Der Anfall von Aushub erfolgt punktuell und schwerpunktmäßig. Er wird nicht auf der Baustelle gelagert, sondern muss sofort verschwinden, um teure Arbeitszwischenvorgänge einzusparen. Die Lkw fahren also, wann die Ausgangslage es erfordert, und dies bei Bedarf an allen Werktagen, ohne zeitliche Eingrenzung. Auch Samstag ist Werktag. Innerhalb der Ortschaften gelten Geschwindigkeitsbeschränkungen, z.T. auf 40 km/h. Beim Landkreis ist man der Ansicht, man könne durch privatrechtliche Vereinbarungen regeln, wie und wann die Lkw zu fahren hätten. In der Praxis erscheint dies sehr wenig realistisch. Es ist bekannt, dass gerade bei gewerblichen Fuhrunternehmen Zeit gleich Geld ist und eine Einflussnahme praktisch ausscheidet. Daran würden auch polizeiliche Maßnahmen der Kommunen nichts ändern, etwa wegen überhöhter Geschwindigkeit, denn etwaige Ordnungswidrigkeiten spielen preislich letztlich für den Fuhrunternehmer keine große Rolle.

Der Betrieb geht vor, und jeder abgekürzte Kilometer, jede ersparte Viertelstunde gibt bei diesem Transportvolumen enorme Einsparungen zu Gunsten des Gewinns des Unternehmers. Auch werden solche Transporte erfahrungsgemäß durch eine Vielzahl von Subunternehmen durchgeführt, gegen die ein Vorgehen praktisch nicht möglich ist (bei der Bahnlösung hingegen gibt es klare gesetzliche Vorgaben und eindeutige Ansprechpartner).

Ortsdurchfahrt Calw, Bundesstrasse entlang der Nagold
Ortseingang Bad Liebenzell, mit Blumen geschmücktes Kurort-Schild

Außerdem liegt die Deponiesanierung im öffentlichen Interesse. Die Kommunen, insbesondere der Kreis, würden sich mit dem Lkw-Transport in einen Interessenskonflikt begeben. Jede Art des Versuchs einer behördlichen Beschränkung der Lkw-Verkehre wäre daher wenig erfolgversprechend.

Sollte der Deponiebetreiber etwa an die Stadt Calw mit dem Wunsch herantreten, den Welzbergweg für den Lkw-Verkehr zu öffnen, z. B. damit eine Art Kreisverkehr Calw – Welzbergweg(Wohngebiet) – Deponie – Waldstraße – Hirsau – Nagoldtal betrieben werden kann, damit die Verkehrsbehinderung durch einmündende Lkw in Hirsau auf der B 296 vermindert wird, könnte sich die Stadt dem wohl kaum verschließen (demgegenüber erscheint das Auftauchen von Güterzugeinheiten auf dem Bahngleis in Calw überschaubar).

Ortsdurchfahrt Dätzingen
Kreisstrasse in Hirsau Richtung Neuhengstett

Was all dies für die Straßeanlieger an weiteren Belastungen darstellt und für den Ruf der anliegenden Gemeinden, ist vorstellbar. In Hirsau entsteht die größte Erddeponie zwischen Stuttgart und Nordschwarzwald. Für die Gemeinden bedeutet das unter Umständen auch ein Absinken des Wohnwertes, für Kurorte keinesfalls eine Werbung, jedenfalls aber für die Rathäuser mehr Arbeit. Der Straßenzustand erfordert wegen der Belastung durch noch mehr Lkw weitere frühzeitiger Nacharbeiten. Dass Lkw, die besonders bei feuchtem Wetter von einer Deponie kommen, nicht zur Sauberhaltung der Straßen beitragen, ist bekannt.

Die Waldstraße im jetzigen Zustand für regelmäßige oftmalige Lkw-Fahrten freizugeben wäre höchst bedenklich. Schon heute kommt es an den Kuppen und Engstellen zu kritischen Situationen, besonders wenn die vorgeschriebenen max. 40 km/h nicht eingehalten werden.

Würde die öffentliche Widmung der Waldstraße auf bestimmte Tageszeiten beschränkt, könnte dennoch nicht garantiert werden, dass sich Lkw-Fahrer daran halten. Die Baustellentermine gehen vor. Was es bedeutet, wenn der Lkw-Fahrer aus seiner Sicht eine "Einbahnstraße" befährt, aber andere befahren sie zur gleichen Zeit erlaubterweise im Gegenverkehr, kann man sich denken.

Waldstrasse, eine unübersichtliche Kuppe im Strassenverlauf
Waldstrasse aus Sicht des Autofahrers

Für Baustellen-Lkw ist das Befahren auch einer sehr schlechten Straße kein Problem, dafür sind sie gebaut. Der Deponiebetreiber und privatrechtlich Verantwortungspflichtige für die Waldstraße hätte also kein Interesse, diese für den regulären Verkehr befahrbar zu halten und dafür zu investieren.

De facto wäre die Straße im oberen Teil also bald auch für den übrigen Verkehr – und sei es zu "erlaubten" Zeiten – kaum mehr nutzbar. Umgekehrt könnte wohl kaum jemand, der die Straße nutzen will, davon abgehalten werden. Schranken wären tagsüber nicht zweckmäßig und ansonsten nutzlos. Letztlich bliebe nur die ständige Vollsperrung für alle Fahrzeuge außer den Deponie-Lkw (und den Forstbetrieb).

Auf der Hirsauer Seite der Waldstraße bliebe diese wegen des Restaurants weiter allgemein in Betrieb. Kritische Situationen an der Kuppe und den Engstellen wären absehbar. Da es in der Praxis nicht möglich und nicht jahrelang ständig kontrollierbar ist, einen bestimmten Weg vorzuschreiben und einzuhalten, würde das auch bedeuten, dass beladene Lkw, die den Aushub von Baustellen westlich, nordwestlich oder südwestlich von Calw abholen, den Weg über's Nagoldtal nehmen.

Dies ging dann durch Hirsau und die steile Rampe der Waldstraße zur Deponie hinauf, mit voller Motorleistung und Geräuschentwicklung. Es wäre unrealistisch, anzunehmen, solche Fahrten führten zuerst den ganzen "Berg" hinauf über Neuhengstett oder Calw-Heumaden und dann wieder hinunter. Damit käme es auch zu Begegnungsverkehr zwischen Lkw und Lkw auf der unteren Waldstraße.

Da die Erhaltung der unteren Waldstraße auch dem Deponiebetreiber aufzuerlegen wäre, dies aber für seine Zwecke nicht nötig ist, wäre Zwist mit der Öffentlichkeit und der Stadt Calw absehbar. Doch weil die Deponiesanierung wieder durch die Stadt Calw als Deponie- Miteigentümer veranlasst ist, hätte die Stadt auch hier kaum eine Handhabe. Als letztes Mittel bliebe dann, die Straße doch wieder auf Gemeindekosten herzurichten.

Althengstett Industriegebiet

Damit würden endgültig die Gewinne der Deponiesanierung privatisiert, die Kosten sozialisiert, obwohl doch die Straßenkosten Sache des Deponiebetreibers wären und die Bahninfra wesentlich billiger käme. Natürlich könnte die Stadt den Deponiebetreiber zum Straßenunterhalt verpflichten – Papier ist geduldig und die Ansichten über "guten" oder "schlechten" Straßenzustand sehr dehnbar.

 

Wer wird noch belastet?
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